Montag, 22. Juni 2009

Begabt? Brauchbar? Zweifel?

In den letzten Tagen stürmte irgendwie alles auf einen nieder.. Prüfungen hagelten gemeinsam mit Abgabeterminen für diverse Ausarbeitungen auf einen nieder. Recherchen bezüglich der Indonesiengeschichte drängten, während Predigttermine und Meetings mit Leuten bezüglich der Abschlussarbeit die Prioritätenliste auch noch danach lechzten erfüllt zu werden. Private Termine und Socializing wurde erstmal abgeschafft, dafür schaffte ich jedoch aus dem Nichts Zeit für Jugend und die Vorbereitung der selben. Der Blog kam zu kurz, aber das war in dieser Zeit egal. Schlimm war jedoch, dass bei all diesem Chaos und Stress die Zukunft immer undurchsichtiger wurde... Wo geht es hin? Indonesien? Aschaffenburg? Köln? Gießen? Oder kommt vielleicht doch Jesus noch vorher wieder und macht sämtliche Fragen hinfällig?

Auf letzteres hofft man in solchen Zeiten stark, aber die Wahrscheinlichkeit ist dennoch nicht sooo hoch, dass es ausgerechnet jetzt passiert. Was also soll man mit der Zukunft machen?

Viele Leute sehen etwas in mir.. vielleicht sogar etwas, was ich selbst nicht sehen kann. Einige sehen ein Vorbild, andere einen geistlichen Leiter. Wieder andere sehen einen Evangelisten oder (Erweckungs-)Prediger in mir. Man bekommt sehr viel Liebe, Zuspruch, Bestätigung und Ermutigung von vielen Seiten... und doch bleibt man selbst in den eigenen Zweifeln gefangen. Ich frage mich in letzter Zeit ständig: "Kann ich das wirklich? Bin ich wirklich dazu begabt? Sehen andere nicht mehr in mir, als da wirklich ist? Oder bin ich nur blind und sehe es selbst nicht? Gebraucht GOTT mich, oder mache ich das gerade alles selbst? Wie können andere Heiligung in mir erkennen, wenn ich sie selbst nicht sehe? Warum zeigt mir Gott so krass, wie sündig ich bin?"

Ich musste in meiner Stillen Zeit darüber nachdenken - und auch auf dem Weg zur Jugend letzten Freitag. Ich erlebte dabei, dass ich wirklich an meine eigenen Grenzen gestoßen bin. Ich hatte Mühe die Tränen zurückzuhalten, die mir kamen, als ich einsehen musste, wie unbrauchbar ich doch eigentlich bin. Zu viel Schein als Sein, denn sonst könnte ich den Leuten doch zustimmen? Wenn ich doch ein Evangelist bin, warum gebraucht Gott mich dann so wenig? Von wegen Heiligung! Ich könnte schreien wenn ich meine eigene Sündhaftigkeit betrachte - und verzweifeln, wenn ich sehe, wie schwer es fällt manche Sünde wirklich nachhaltig loszuwerden...

Selbst Indonesien ist so eine Geschichte, bei der ich starke Zweifel habe, ob das von Gott kommt, oder ob ich da nicht versuche meinen Willen und meine Träume durchzusetzen. Und über allem thront der Stolz - "Was werden andere denken, wenn ich da jetzt nicht hingehe, nachdem ich doch jedem schon gesagt habe, dass das sicher ist?" ... Als ob das wichtig ist, was andere denken!!! Pfeif drauf! Aber das Gefühl lässt einen dennoch nicht los, auch wenn der Kopf es besser weiß.

Ich glaube tief im Innern ist es einfach nur eine Sehnsucht nach Angenommen sein - aber eben so, wie man wirklich ist.. Und das uralte Problem schwappt mal wieder kurz an die Oberfläche: "Wieso kennt mich eigentlich niemand?" Der Wunsch danach, dass sich jemand wirklich mal die Zeit nimmt, mich kennenzulernen - und annimmt - und einen nicht schon perfekt haben will. Jemand, der sich die Zeit nimmt mit einem Gott um Veränderung zu bitten, statt sie vorauszusetzen. Warum fällt uns Menschen bedingungslose Liebe so schwer? Warum muss immer alles "verdient" werden? .. wie schrecklich ..

Ich weiß nicht, wo ich in 2 Monaten sein werde.. Diese Ungewissheit zerreißt mich innerlich total. Ich finde Ungewissheit furchtbar, aber Gott verspricht, dass Er mir den nächsten Schritt zeigt. Diese Abhängigkeit von Gott und das Vertraun in diesem Bereich fällt mir schwer, aber ich muss sie lernen. Ich weiß jedoch, dass ich über meine Sünde zerbrochen bin, sie hasse, sie furchtbar finde und nicht verstehe, wie oder warum Gott mich gebrauchen sollte, wo ich doch so schlecht bin... Und doch tut Er es.. Er tat es schon, als mir diese Sünde nicht mal bewusst war. Aber ich fühle mich dennoch unbrauchbar, unwürdig, unfähig, überbewertet und überschätzt. Ich weiß nicht, ob es Angriffe Satans sind, oder ein gesunder Realitäts-Check. In einer Woche gelte ich als fertig ausgebildeter Theologe - jetzt sollte ich sozusagen langsam alles wissen.. tu ich aber nicht. Ich weiß gar nichts! Davor dachte ich wenigstens noch alles zu wissen (was nicht so gut war), jetzt aber weiß ich, dass ich nichts weiß. Ich bin dumm und die Bibel ist voller Weisheit, die ich nicht habe. Ich lese sie und staune, wie viel weiser ich doch eigentlich sein sollte!

Wie geht es nun weiter? .. hmm .. das weiß ich nicht. Ob Indonesien klappt, weiß ich nicht. Ob ich hier in Köln bleibe, weiß ich nicht. Ob ich woanders hingehe und als Jugendpastor arbeite, weiß ich nicht. Ob ich zurück in die IT gehe, weiß ich auch nicht. Ich weiß nur eins: Gott ist gut. Gott ist groß. Gott führt mich und Er wird mir den nächsten Schritt zeigen - darauf vertraue ich. Und Er hat den besten Plan für mich, den man sich nur vorstellen kann! Keine Ahnung, wie der aussieht, aber Er wird mir Schritt für Schritt offenbart. Wo ich schwach bin, wird Er stark sein. Wo ich falle, hebt Er mich auf. Wo ich Fehler mache, korrigiert Er. Wo ich unwürdig bin wird Gottes Größe noch mehr offenbar, da Er dann die Ehre bekommt, denn ER ist würdig. Wo ich mich einsam und ungeliebt fühle, sagt Er mir, dass Er mich liebt - aber auch, dass Er mein Leben kennt und in Seiner Hand hält. Darauf darf ich vertrauen.. und liebevoll wischt Er jede Träne aus unseren Augen und ermutigt uns / ermutigt mich: "Du darfst hoffen!" .. nicht auf meine eigenen Wünsche und Träume, sondern darauf, dass Er das Beste für mich im Sinn hat. Nicht das zweit-Beste, sondern das Beste! Halleluja! Nur darin finde ich zurzeit Trost...

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Boah, Ordi, ich weiß ganz genau, wie du fühlst. Ich stecke in dem selben "schlamassel". Und auch ich finde immer mehr Trost und Hoffunung bei Gott. Er lässt seine Kinder nie im Stich. Er weiß immer noch, was das Beste für uns ist, auch wenn wir es absolut nicht verstehen. Wie gut zu wissen, dass Gott wirklich immer spätestens rechtzeitig handelt.. :D
Nur Mut, gib nicht auf, Gott ist dir näher als du glaubst!!

Micha hat gesagt…

Hi Ordi,
so viele Zweifel...du solltest deinen Stärken mehr Chancen einräumen, aber auch deine Schwächen zulassen. Gott hat sie uns mitgegeben, vielleicht um uns mahnen, wie sehr wir menschlich sind und weniger göttlich und erhaben, wie wir uns ab und an doch gerne mal sehen. Und sich in Augenblicken von Entscheidungen Gedanken zu machen, wie es weitergehen soll, nimmt er einem sicher nicht unbedingt übel. Auch wenn sich jetzt im Moment nichts konkretes für dich abzeichnet, solltest du dein Ziel nicht aus den Augen verlieren. Gibt es für Indonesien nicht noch mehr Optionen für dich, um dort zu wirken? Vielleicht muss man mehr ausschöpfen, um die Chancen zu erhöhen...keine Ahnung. Vielleicht sind es auch mehrere Ziele, nicht nur Indonesien...wer weiß. Manche verbrachten ihr ganzes Leben auf Wanderschaft, wirkten hier und dort und befanden am Ende eines doch recht eindrucksvollen Lebens mit Bitterkeit, dass sie nichts erreicht hätten und genauso schlau waren, wie zu Beginn ihres Weges. Vielleicht sollte man das Urteil über einen selbst anderen überlassen - selber kann man nur versuchen, sein Bestes zu geben. :)

Grüße
Micha

Juli hat gesagt…

Ich finde du solltest anfangen dich nicht als Sünder zu sehen.
Klar, dein Leib und deine Seele sündigen, aber dein Geist wurde von Gott befreit und gereinigt und Er strahlt durch deinen Geist nach außen.
In Gottes Augen bist du vollkommen rein und trägst ein weißes Gewand... wieso denkst du, dass du dich anders sehen solltest?
Du wirst NIE aufhören zu sündigen, so lange du hier auf der Erde lebst, also: Wieso beeinflusst es dich so sehr?
In einer Predigt vor kurzem sagte der Prediger: "Wenn wir nicht aufhören uns als sündig zu sehen, dann lassen wir Gott keinen Raum um uns zu gebrauchen... Er sieht uns als vollkommen an, aber wir sollten uns auch durch seine Augen sehen!"

Sünde braucht Buße, ja, aber Gott hat alle deine Sünden in die Tiefe des Meeres geworfen und sie ist nicht mehr existent für Gott. Warum klammerst du dich dann daran?

ordi hat gesagt…

es ist nicht, dass ich mich dran klammere - ich will sie ja nicht mehr! aber es ist sehr frustrierend dennoch mal einen realitäts-check zu machen und festzustellen, dass man bei weitem nicht so tief in der heiligung lebt, wie man das eigentlich wollte.. es ist schrecklich zu sehen, wie viel Gott einem vergeben hat, und wie wenig das einen dazu bringt, "richtig" zu leben.. es ist furchtbar zu erkennen, dass man dinge tut, die Gott hasst, obwohl man es eigentlich besser weiß - man weiß ja, dass Er sie hasst! und doch tut man sie.. und das ist ECHT ätzend..

klar weiß ich auch, dass ich vor Gott rein darstehe - und dennoch fordert Gott uns zur Heiligung auf - und wenn man nicht drin lebt (oder nicht so sehr, wie man sollte), ist es gut, wenn man überführt wird und zerbrochen vorm Kreuz alles wieder ablegen muss.. nur wenn sich danach nichts ändert, DAS ist schlimm! und genau das befürchte ich bei mir :(