Montag, 19. Oktober 2009

Missionar... ohne Mission?!

Ich führe gerade ein Gespräch mit einer Person, die in die Mission gehen will. Sie sucht fleißig Unterstützer und möchte helfen und den Leuten von Jesus erzählen. Auf meine Frage "wie genau" sie das machen möchte, bekam ich jedoch eine Antwort, die mich stutzig machte: "Ich liebe sie einfach.. und dann erzähle ich ihnen, dass Jesus für sie gestorben ist." Ähmmm... ja.. und wann genau wird das passieren? Sie wird beten.

Ich kam aus dem Staunen nicht mehr raus. Diese Person hat es nicht mal geschafft MIR von Jesus zu erzählen - wie will sie dann jemandem, der mit Gott nichts am Hut hat, von Jesus erzählen?! Sie sagte selbst: Wenn sie niemand fragt, wird sie nichts sagen können. Na klasse... Warum zieht sie dann überhaupt los?

Es frustriert mich sehr zu sehen, wie man völlig ohne Plan oder Idee losziehen kann. Wenn man im eigenen Land niemandem von Jesus erzählt, wird man es wohl im Ausland erst recht nicht tun. Wenn man aber schon in der eigenen Sprache nicht weiß, wie man das Evangelium präsentiert, wie viel weniger dann in einer anderen? Und warum bittet man zig Leute um Spenden, wenn man dann im jeweiligen Land sitzt und NICHTS macht, außer zu "leben"?

Ich bin geschockt.. es gab da einige Leute, die ich total gerne mit n paar Euro im Monat unterstützt hätte. Jetzt erfahre ich jedoch, dass die gar keine Ahnung haben, wie man überhaupt jemandem von Jesus erzählt?! Wahnsinn!!

Liebe Freunde... Sollte in euch der Drang entstehen in die Mission zu gehen, tut mir und der Welt und dem lieben Gott einen gefallen: LERNT erstmal, was es bedeutet ein Missionar zu sein, entwickelt dann einen Plan oder eine Strategie dessen, WIE ihr vorgehen wollt, und fragt erst DANN nach Mitteln... Sonst bringt ihr nur den Beruf des Missionars in Verruf :(

Kommentare:

Micha hat gesagt…

Hi Ordi,
Die Frage ist, wie man Mission überhaupt sieht....zu viele gehen all zu gerne von einem Idealbild aus, wie immer sich das für den einzelnen definiert - die Auseinandersetzungen, die Enttäuschungen, das Aufreiben und die Zweifel, die sich zwangsläufig einstellen, und die Kraft zu haben, sich dann trotzdem immer wieder zu motivieren, blenden die meisten aus oder haben keine Vorstellung davon. Auf der einen Seite finde ich es toll, dass so manche/mancher gerne diesen Weg gehen wollen, andererseits ernüchtert einen die Naivität, eben was zu machen, ohne einen Plan zu haben. Hier sehe ich auch das Problem, dass man oft und allzu pauschal in Gemeinden und Jugendkreisen von Evangelisierung und Missionsaufgabe spricht, aber vergisst, das Wie? sachlich zu erläutern. Stattdessen wird im Übermaß motiviert und die Leute mit eben null Ahnung auf die Straße geschickt - scheint manchmal, wie mit Vorsatz? Wieso? Keine Ahnung. Von diversen Gruppen, die beim Versuch die Leute auf Jesus anzusprechen, sich mehr mit planloser Gruppendymanik und oberflächlicher Effekthascherei auszeichnen, schweige ich lieber. So ist die Aussage 'LERNT erstmal' hier absolut richtig gestellt.

Übrigens interessante Predigt zum Thema Lästerung/Tratsch, gefiel mir sehr. Bin auch gespannt, wie viele ihre Bibel das nächste Mal mitbringen ;)

Grüße
Micha

Juli hat gesagt…

hey,
in der bibel steht, dass man mit den zungen von engeln reden kann, aber wenn man keine liebe hat, dann ist das nutzlos.
so ist es auch in der mission!
weißt du, es gibt viele leute die an der bibelschule studiert haben und dann in die mission gehen, aber weil ihnen die liebe fehlt, erreichen sie nichts!
wenn jemand die liebe zu unchristen hat, dann wird gott ihn mit dem ausrüsten, was er braucht! gott wird ihm die richtigen worte in den mund legen und ihm alles beibringen, was er wissen muss.
wieso zweifelst du an gottes allmächtigkeit, mit der er in und durch JEDEN wirken kann.
oft bekehren sich leute nur daruch, dass jemand sehr nett war und sie immer eingeladen hat und nicht durch argumentative predigten.

das schlimmste finde ich, dass du diese person öffentlich niedermachst. wirklich. jeder sollte sich ein beispiel an dieser liebe und dem vertrauen, dass gott einen bei sowas unterstützt, nehmen!

ordi hat gesagt…

Juli, ich glaube du redest gerade ein bisschen am Thema vorbei. Keiner sprach von liebloser Mission. Dass die Liebe stimmen muss, das weiß jeder von uns. Aber Liebe ist keine Entschuldigung oder Rechtfertigung für ein Mangel an Bereitschaft oder Fähigkeit. Du kannst nicht sagen "hauptsache mit Liebe" und dabei völlig ignorieren, dass 1. Petrus 3,15 sagt: "seid allezeit bereit zur Verantwortung gegen jedermann, der Rechenschaft fordert über die Hoffnung, die in euch ist" ... Diese Person WAR nicht bereit! Sie hatte keine Ahnung! Wir sind dazu aufgefordert die uns anvertraute Botschaft weiterzugeben - NICHT einfach nur rumzusitzen.

Du sagst, ich hätte die Person nieder gemacht. Das ist jedoch nicht ganz richtig: a) Kein Mensch weiß, von welcher Person ich rede, oder ob diese Person nicht gar fiktiv ist, b) die Person fühlt sich nicht angegriffen, da ich dieses Gespräch 1:1 mit ihr geführt habe und sie sich am Ende sogar bedankte.

Juli, wir haben da draußen (vermutete) 90% Missionare, die genau 0 Leute in ihrem Leben zu Jesus geführt haben. Das ist Unsinn! Es ist das Gegenteil von "guter Verwalter von Geld und Zeit" zu sein.. Sie leben in fremden Ländern und wundern sich jahrelang, warum niemand sie über ihren Glauben befragt. DAS ist UNSINNIG. Warum passiert das? Weil sie keine Ahnung haben, was Mission überhaupt bedeutet!

Paulus blieb nach seiner Bekehrung 3 Jahre lang an einem Ort und lernte erstmal in den Schriften.. Er ging nicht DUMM und treudoof in die Mission. Ich zweifle nicht an Gottes Allmächtigkeit, aber ich zweifle sehr daran, dass Seine Allmächtigkeit uns das Recht gibt unsere Verantwortung abzulehnen. Solche Beispiele, wie du genannt hast, klingen SUPER, nur leider finden sie in der Realität so gut wie nie statt. Die letzten 100 Leuten, mit denen ich geredet habe, haben sich auf jeden Fall NICHT bekehrt, weil Leute nett zu ihnen waren. Es war fast IMMER das Wort Gottes, was sie berührt hat. Die Einladung mag stimmen, die Liebe MUSS stimmen, aber die meisten lassen sich eben nicht einladen. Mal abgesehen davon: Wo findest du in der Bibel dieses "lade Leute in die Gemeinde ein" Prinzip? Jesus GING zu den Leuten. Paulus GING zu den Leuten. Die Jünger GINGEN zu den Leuten. Zu Nicht-Christen wurde immer HINGEGANGEN (nix einladen!)... völliger Blödsinn, den wir in der westlichen Welt erfunden haben, weil wir zu faul und zu stolz sind, selber zu gehen und uns der Lächerlichkeit des Kreuzes auszusetzen. *pfui*

Die Person, um die es hier geht, hat wirklich ein Herz für Mission, aber leider keine Ahnung von ihrem eigenen Glauben. Weißt du was passiert, wenn sie geht? Bestenfalls nichts, schlimmstenfalls gründet sie Gemeinden, die auf ihrem (mehr als dürftigen) Wissen beruhen, und somit der Irrlehre und Mäßigkeit des Glaubens Tür und Tor öffnen. Dann doch lieber KALT als lauwarm.

Sorry, aber sowas unterstütze ich nicht. Wenn Paulus und Co 3 Jahre Studium für sinnvoll erachteten, dann wage ich es nicht zu glauben, dass Lauheit die Regel sein sollte, wenn wir in die Mission tigern! Daher von meiner Seite ein klares: Nein!