Donnerstag, 1. Juli 2010

Wenn die Welt dir weh tut...

Heute war der Geburtstag meiner Verlobten. Wir verbrachten den Tag gemeinsam und es war schön. Abends gingen wir dann auf eine After-Work Party in einen Club (Culture Club Hanau) und eine Liveband spielte... Ich kann euch nicht sagen warum, aber plötzlich berührte mich Gott wieder mit einem heftigen Schlag ins Gesicht... Vor rund einem Jahr schwor ich mir, dass ich jedem Menschen ins Gesicht sehen wollte. Das hört sich vielleicht lächerlich an, aber es ist das Pendant zum auf-Klamotten-schauen, auf-Frisuren-etc-schauen und so weiter.

Die Musiker sangen ihre Lieder und die Texte erschütterten mich aufs Tiefste. Es waren die allgemein bekannten, gängigen Lieder aus den Charts. Dennoch - die Texte trieften vor Sexgier, Ehrfurchtslosigkeit und Lust... Frauen wurden reduziert auf.. weiß der Geier was.. Sie waren nicht mehr Gottes Geschöpfe, sondern Mittel zum Zweck. Alles ging nur ums "Spaß haben" - aber zu welchem Preis?? Jesus fragte einst: "Was nützt es einem Menschen, wenn er die Welt gewönne, dabei jedoch seine Seele verliert?"

Ich sah den tanzende Menge - ich sah ihnen in die Gesichter und erschrak. Frauen, die weit über 30, ja über 40 waren, zwängten sich in die Klamotten ihrer Töchter im Teenageralter. Verzweifelt auf der Suche nach jemandem, der sie doch noch toll finden würde. Männer liefen da rum, die auf der Suche nach einem Platz für ihren "Kleinen" für den Abend suchten.. Es war grotesk! Verheiratete Männer begingen mit ihren Augen Ehebruch; einsame Frauen suchten nach Aufmerksamkeit für ihre gebrochenen Seelen - und keinem schien aufzufallen, dass das, was man in der Musik hört (was in den Kopf kommt) auch im Kopf bleibt und einen eben prägt. Der Grund, warum so viele Männer Frauen schlecht behandeln, liegt nicht an der Erziehung der Eltern oder der Schule, sondern an eben dieser Musikkultur, die ihnen dieses Verhalten vorgibt.

Ich saß da - geschockt - und fing an zu weinen. Ich sah die Menschen (mal wieder) aus Gottes Perspektive.. verloren, krank, hilflos - nicht fähig sich selbst zu retten aus dieser grotesken Situation, die sie "Leben" nennen.. Und es schien keinem was auszumachen.

"Sie" merkte es und fragte mich, was los sei. Ich sagte es ihr. Sie sagte, "hey, so ist 'die Welt' nun mal!" - aber das weiß ich ja.. Das ist ja nicht das Problem - das Problem ist, dass keiner etwas dagegen unternehmen zu scheint! Das Problem ist, dass wir Christen uns damit abgefunden haben, dass die eben so sind und wir eben anders. Aber das kann es doch nicht sein!!! Diese Passivität ist doch nicht das, wozu Jesus uns aufgerufen hat?!? In mir rebellierte es...

Ich fragte sie, ob sie diese schreckliche Situation nicht sähe - doch, sie sieht sie. Ja, aber macht es ihr nichts aus?! ... Nein.. scheinbar nicht.. zumindest blendet sie es aus, damit sie den Abend genießen kann. Einerseits kann ich sie verstehen, andererseits rebelliert in mir alles, wenn ich nur daran denke, dass man als Christ wegschaut, von dem, was "die Welt" wirklich ist...

Ich fuhr nach Hause.. Ich war total kaputt.. bin ich noch immer.. die Welt zu sehen zerbricht mein Herz immer wieder und wieder.. Tränen liefen mir übers Gesicht, als ich daran denken musste, dass ich fast niemanden kenne, der bereit wäre diese Menschen zu erreichen..

Und dann plötzlich.. gab ich auf.

Ich hörte die Gespräche am Tisch, sah die Gesichter, die Menge der Leute, ihre "Welt" und ihre Verlorenheit - und ich gab sie einfach auf. Ich schrieb vor etwa 2 Jahren über die Sigma Typologie - also über genau diesen Typ Mensch.. und heute? Heute gebe ich auf... Diesen Kampf kann keiner alleine austragen.. Wenn keine 2-3 Männer mit der selben Herzensgesinnung mitkämpfen, kämpft man vergebens...

Das Schreckliche ist jedoch, dass "sie" mich zwar versteht, aber mein Herz nicht teilt.. Das tut sehr weh.. ich weiß noch nicht, wie ich damit klar kommen soll... Es wirft so unwahrscheinlich viele Fragen auf... andererseits war ich, als ich so lange Christ war, wie sie, noch alles andere als Feuer und Flamme für Jesus... Sie ist es jedoch sehr - auch wenn (noch?) nicht in diesem Bereich..

Ich weiß nicht, was ich damit sagen will.. vielleicht einfach nur, dass ich Gebet brauche.. Ich bin völlig fertig mit den Nerven und sehe keine Hilfe am Horizont - keinen Mann Gottes, der aufsteht und mit mir und Gott die Stadt für Jesus einnimmt.. im Gegenteil: Ich höre von Christen ständig nur, dass es nicht möglich sei.. schlussendlich frage ich mich jedoch, ob sie wirklich glauben, dass es nicht möglich sei, oder eher denken, es sei nicht nötig.. DAS sollte sich jeder Christ mal selber fragen...

:(

Kommentare:

Juli hat gesagt…

du gibst vielleicht auf, aber gott nicht...
ordi, versuch es nicht aus eigener kraft. hör einfach auf und hör zu, was gott dir sagt.
ich glaube durch deinen eifer in diesem dienst gehst du einen schritt schneller... du musst dich aber an das tempo anpassen, dass gott dir gibt.

du wirst NIE alle menschen erreichen, vielleicht nicht mal 100. aber wenn du schon 1 menschen zu gott bringst, dann hat sich ALLES gelohnt! wenn dieser 1 mensch nicht in der hölle die ewigkeit verbringen muss, sondern den einzigen gott kennenlernen darf, dann hat sich dein ganzes leben - dein ganzer dienst - gelohnt!

versuch nicht alle menschen zu erreichen, sondern setzt dir das ziel einen menschen nach dem anderen zu gott zu führen... nur so kannst du was erreichen!

Jess hat gesagt…

Hello Ordi,
You obviously have the spiritual gift of showing mercy and compassion! I know that we as Christians are ALL called to have compassion for the lost and see the world through God's eyes. But this is not everyone's spiritual gift. So just because someone(for example your Verlobte) doesn't feel the same level of overwhelming compassion as you do in a particular situation, I don't think this necessarily means that they are any less on fire for God. (Or maybe you weren't implying that?) In any case, I've found in my own relationship (marriage) and actually just in general, that it's important to recognize that we all have different spiritual gifts. I think it can be tempting to compare ourselves and or get frustrated when not everyone is gifted in the way we are. But I think that we're all differently gifted is a good thing, because it reminds me that we need to work together as a body to do the work of Christ.

Anonym hat gesagt…

http://vids.myspace.com/index.cfm?fuseaction=vids.individual&VideoID=60778103

Xtine hat gesagt…

Also, mir fällt beim Lesen ganz spontan dieses Lied ein:

http://www.youtube.com/watch?v=em5gL0Rw4Aw

Faszinierendes Lied von einem faszinierenden Musiker mit einer noch viel faszinierender Biographie...


Lg, Xtine aka schaeflein aka Indonesien-Gestörte