Montag, 6. Juli 2009

"Hallo? Wer bist du? Bist du das, Gott?!"

"Bete. Bete und höre auf die Stimme Gottes." Toller Rat. Und so schön "christlich". Diesen Rat höre ich in den letzten Wochen und Monaten so ziemlich jeden Tag. Was will Gott von mir? Indonesien Mission? Jugend in Köln? Jugend in Aschaffenburg? Oder doch "Jugend für Christus" in Darmstadt? Oder doch Calvary Chapel in Nizza, Südfrankreich? Uaaaaaaaaaaaaaah!!! Was soll man denn mit so vielen Optionen machen?! "Hör auf die Stimme Gottes" ist dann auch kein Rat, der einem wirklich weiter hilft. Ich war so frei mir mal weiß-nicht-wie-viele Predigten zum Thema "auf die Stimme Gottes hören" anzuhören. Ergebnis: Jetzt bin ich kein bisschen schlauer, was mein konkretes Problem angeht...

Aber gut, all diese Fragen hingen ja bisher immer an der Möglichkeit, bzw. Unmöglichkeit, nach Indonesien zu gehen. Dass Indonesien klappen würde, daran glaubte ja eh keiner mehr. Ehrlich gesagt, seit einigen Tagen habe ich da auch schon die Hoffnung mehr oder minder aufgegeben. "Ende Juni" ist ja schon seit einer Woche vorbei. Heute rief ich, pro forma und aus Tradition, mal wieder die Nummer der indonesischen Botschaft an - vielleicht aus Gewohnheit, vielleicht einfach nur, um die Bestätigung zu bekommen, dass eine Meinungsänderung ja nun nicht mehr möglich ist. Die Plätze waren ja eh schon seit Wochen alle belegt.

Ich rief also an. Die mir vertraute Stimme antwortete und freute sich richtig über meinen Anruf. Und dann kams:
"Ja, also einen Platz im Darmasiswa Programm konnten wir leider nicht mehr finden. Da gibt es leider keine gute Nachrichten [wie erwartet]. Aber die Politechnische Uni in Bandung würde sich freuen, wenn Sie [ich] dort als Englisch- und Deutschlehrer 2 mal die Woche unterrichten würden. Dafür würden sie Ihnen [mir] auch ein Stipendium anbieten, so dass sie dort studieren können. Das ganze lässt sich bis Ende diesen Monats regeln, wenn Sie [ich] Interesse hätten. Mit allen zuständigen Leuten ist gesprochen worden. Jetzt müssen Sie [ich] nur noch zusagen."
WAS?!?!?! Was soll DAS denn jetzt?! Mal Hü, mal Hott? Ich weiß jetzt absolut nicht, wie ich das interpretieren soll.. Die "Stimme Gottes" höre ich hier nicht, denn diese ist (laut den vielen Predigten) stets klar. Einen wirklichen "Ruf" nach Indonesien oder überhaupt in die Mission habe ich auch nicht - und auch noch nie gehabt. Aber was soll diese neue "Tür"?

Ich habe irgendwie den Eindruck, dass diese "Türen", von denen wir Christen ja immer gerne sprechen, bei mir sowas wie Drehtüren sind.. auf - zu - auf - zu - viel Erfolg! - zu - auf - doch nicht - auf - zu - UAAAAAAAAAAAAAAH!!! Und wieso gibt es überhaupt mehr als eine Möglichkeit? Diese Freiheiten, die Gott uns lässt, sind ECHT unpraktisch. Aber sie sind "sehr gut", weil Gott sie gemacht hat. Ich muss das jetzt nur noch annehmen und aufhören zu meckern... :/

Und all das passiert ausgerechnet JETZT! Jetzt, wo ich eine absolut ober-hammer tolle Gemeinde gefunden habe (bzw. sie eigentlich eher mich gefunden hat) und ich gleichzeitig die Jugendlichen aus der IBC so sehr lieb habe, dass ich die Arbeit hier gar nicht aufgeben will! Wieso ist alles so kompliziert? Was davon ist von Gott, bzw. wenn all dies von Gott ist, was WILL Er eigentlich von mir?! :( Ich weiß echt nicht, welcher Weg der Richtige ist. Und würde jemand mit einem ähnlichen Problem zu mir kommen, würde ich ihm raten einfach den Weg zu nehmen, der ihm am besten gefällt, da Gott auf allen Wegen mitgeht, solange die eigene Motivation darin besteht Gott zu ehren. Na super! Also gibt es eigentlich keine "richtige" Antwort, da es auch keine falsche gibt.

Einerseits verstehe ich Gott - Er liebt uns so sehr, dass Er uns Freiheit schenkt. Andererseits kenne ich mich: Ich bin zu doof, um mit Freiheit vernündtig umzugehen. Deswegen brauche ich auch stets einen Mentor, der mir in den Hintern tritt.. Tja.. und jetzt ist so ein Punkt: Welchen Weg gehe ich? Wo kann ich mich von Gott am effektivsten gebrauchen lassen? Es geht NICHT darum, dass ich mich selbst wohl fühle, sondern dorthin zu gehen, wo Gott einen mehr als woanders gebrauchen möchte. Aber wo ist das? Ich höre Gottes Stimme nicht - zumindest nicht klar und deutlich - oder aber Er spricht mehrstimmig. Das hilft mir nur leider nicht weiter. Ich bin ein Mann. Ich versuche stets nur EINER Person/Stimme zuzuhören. :/ Oh man!


Tja.. die Zukunft ist soeben NOCH diffuser geworden. Noch ne Tür! Wie schön.. Mit den vielen Türen könnte ich zurzeit ein ganzes Bürogebäude bauen / mit Türen versorgen. Ich wünschte, Gott würde mir wieder eine eMail schreiben... :(

Kommentare:

Ilea hat gesagt…

Hey Du,
wenn du doch so eine gute Gemeinde hast in der du definitiv gebraucht wirst (von den Leuten und von Gott), warum suchst du so verzweifelt nach etwas anderem? Klar, ich kann dein Fernweh gut verstehen, aber brauchen die dich in Indonesien wirklich? Vielleicht ist das naheliegendste Missionsfeld für dich zur Zeit erstmal das vor deiner Haustür?

ordi hat gesagt…

hmm... ja, da könntest du Recht haben.. habe gestern mal mit ner freundin aus bandung gesprochen und die situation der christen dort analysiert.. also.. wenn du mich fragst, brauchen die wirklich niemanden dort.. in der stadt gibt es sogar ein theologisches seminar für evangelikale theologie!!! wozu brauchen die MICH da noch?! aber hmmm.. so ne tür geht doch nicht umsonst auf, oder? und die finanzierung wäre jetzt plötzlich auch komplett geregelt! hat sich direkt einen tag vorher entschieden! .. ich bin echt verwirrt..

die sache mit der gemeinde vor der haustür ist auch so ne sache.. köln oder aschaffenburg? beide brauchen wen. aber Gott versorgt.. es hängt ja nicht an MIR, ob ne arbeit funktioniert, sondern vor allem daran, dass GOTT das macht. ich weiß auch, dass, wenn ich gehen würde, Gott jemand anderen schicken würde. ich bin nicht unersetzlich. das tut gut zu wissen :)

ordi hat gesagt…

aber hey, DANKE für dein feedback! ich glaube ich werd da echt mal drüber nachdenken müssen... wie du schon gesagt hast, "brauchen" die mich wirklich in indonesien? vermutlich nicht so... :/

Tom G hat gesagt…

Oft gibt es einen komplett falschen Weg (welchen du so nicht gehen würdest, er würde bedeuten nur dir selber und dem Fein zu folgen) und viele "richtige" von Gott geschenkte Türen. Ich glaube, Daddy möchte einfach, dass DU eine Entscheidung triffst und dich dann da voll reinwirfst und zu deiner Entscheidung stehst. Es macht Ihm Freude Dich zu begleiten und zu beraten, Dir zu helfen und Dich lernen zu lassen. Aber aus meiner Erfahrung kann ich sagen, dass Er nicht immer alle Türen zu macht. Selbst wenn du Umwege gehst, so gebraucht Er diese doch. Was Er möchte, ist das Du Sachen zu Seiner Ehre tust und womit Menschen in Sein Königreich gezogen werden. Wo, mit wem und wie du das machst, ist eine echte freie Entscheidung. Die kann sauschwer sein. Aber sie wird um so schwerer, wenn man sie nicht treffen möchte. Triff eine Entscheidung, steh dazu und beweg deinen Hintern!!! ;-)

Agidock hat gesagt…

Jap, kenn ich, kenn ich auch. Vielleicht hört sich das komisch an, aber ich denke genauso wie Tom G.
Gott hat uns ja schon einen eigenen Kopf gegeben. Entscheidungen treffen dürfen wir. Fehler machen dürfen wir auch. Wenn du Gott vertraust, mit ihm diese Entscheidung triffst, wird Gott dich segnen und im Endeffekt gehst du dann doch den Weg, den Gott mit dir gehen will. Also nichts wie 'ran und ab geht die Post! Wie gesagt, schon wenn du ihm nur vertraust, wirst du in jeder Entscheidung IHM die Ehre geben und seinen Weg gehen. Go on!