Dienstag, 14. Juli 2009

privilegiert...

Ich sitze am Bahnsteig und lese mich gerade ein in die Geschichte des Mystizismus und Spiritismus auf der Insel Java (Indonesien), als ich plötzlich unterbrochen werde durch einen lauten Wortwechsel. Zwei Gestalten, die sehr heruntergekommen wirken, sind in eine emotionale Diskussion über das Recht zu Reden oder zu Schweigen, wenn sich einer von beiden Parteien genervt fühlt, geraten. Die Frau schwingt die Bierflasche und droht, der Mann brummt etwas, was ich nicht deuten kann. Die Gemüter beruhigen sich auch wieder, und ein dritter Mann tritt herzu, der, aufgrund starker Alkoholeinwirkung, nur bedingt fähig ist sich zu artikulieren. Ich beobachte das Treiben eine Weile. Jede Frage wird 3-4 Mal gestellt, jede Antwort findet 4-5 Mal statt. Der brummende Mann spricht in Rätzeln, aber die anderen beiden scheinen ihn zu verstehen.

Plötzlich wird mir bewusst, dass ich zu einem der privilegiertesten Menschen dieser Welt gehöre. Es wird mir wieder bewusst. Wie schrecklich schnell man das doch wieder vergisst. Erst vorgestern, Sonntag, sah ich einen Mann am Bonner Hauptbahnhof liegen (ausgestreckt über 5 Sitzpläte am U-Bahnsteig) - seine Hose nass von Urin; seine Bierflasche: umgefallen. Er selbst schlief fest, während er sich weiter in die Hose machte..

Was genau ist es, das schief läuft, in der Zeit zwischen Schulabschluss und dem jetzigen Zustand, was dazu geführt hat, dass diese Menschen sich in diesen Situationen befinden? Oft ist es Alkohol und eine Reihe von schlechten Entscheidungen. Es schockiert mich.. und stimmt mich sowohl traurig, als auch nachdenklich. Wie kann man helfen? Was kann man tun? Kann man überhaupt etwas ändern?

Oft sind diese Menschen sehr stark alkoholisiert und wollen "ihre Ruhe haben". Ich denke in völlig anderen Kategorien, plane für die Zukunft und für Jahre im voraus. Ich bereise die Welt und versuche fremde Kulturen zu verstehen. Doch diese Subkultur vor meiner Haustür, die habe ich noch nicht verstanden.. Es ist krass, wie viel Segen ich in meinem Leben erfahren durfte. Gott hat mich nicht nur bewahrt, sondern getragen und gefördert. Er hat mich reich beschenkt! Ich habe sehr viel Grund zur Dankbarkeit. Aber wie kann ich von all dem abgeben, um solchen Menschen zu helfen? Ich weiß es nicht.

Alle, die dies hier lesen, sind ähnlich privilegiert. Ihr könnt z.B. lesen. Ihr habt in diesem Moment einen Internetzugang und vermutlich mehr als genug Geld für Nahrungsmittel.

Ich fahre nach Hause, mache den Kühlschrank auf, schmiere mir ein Brot und checke eMails. Mein Buch liegt vor mir und möchte mir noch mehr Wissen und Einsicht vermitteln. Doch da draußen sitzt ein Mann, der Bauchweh hat, weil er so großen Hunger hat (sagte er zur wütenden Frau). Mein Leben geht weiter - ganz losgelöst vom Leid dieser Menschen, wie es scheint. Man exitiert in zwei parallelen Welten, die sich nicht berühren. Irgendwie ist das echt traurig.. Denn ich weiß absolut nicht, wie ich etwas daran ändern könnte.

Kommentare:

Juli hat gesagt…

Du hast total recht... wie schön, dass du darauf hinweist! Oft vergessen wir das einfach, dabei sollten wir jeden Morgen aufwachen und Gott von Herzen dafür danken, dass wir nicht nass vom Regen geworden sind!

Was tun? Ihnen dsa Evangelium bringen!
Wie die Bibel sagt "Der Mensch lebt nich vom Brot allein". Klar, wir können die Menschen für paar Stunden sättigen, aber das wahre Leben für solche Leute sollte unser Hauptanliegen sein, denn das wirkt sich auch auf ihr leibliches Wohl aus.

Micha hat gesagt…

Hi Ordi,
ehrlich gesagt, ich bin oft selbst überrascht gewesen, dass nicht wenige dieser „Penner“ studiert und akademische Grade besitzen, dass der Typ, der volltrunken auf einer Bank in die Hose macht, vielleicht Anwalt oder sogar Unternehmer war, der durch einen Schicksalsschlag aus dem Lot kam und schwer abgestürzt ist. Es macht einem klar, dass selbst der Disziplinierteste und Privilegierteste verwundbar ist, dass es einen wie Hiob erwischen kann - dass man alles verliert, Zukunft, Familie, Freunde, Würde und sich selbst. Man muss sich im klaren sein, dass alles auf tönernen Füßen ruht...leider manchmal auch der Glaube.

Grüße
Micha

Anonym hat gesagt…

ich finde man existiert nicht nur in zwei welten sondern in weitaus mehr, da gibt es zum einen die welt die soviel leid in sich trägt dann die welt in der es kaum sorge gibt nur reichtum und arroganz und wie gebe ich wo meine nächste million aus dann gibt es noch die christliche welt die einfachen menschen die für alles und jeden dankbar sind und leben und singen und tanzen unter gottes herrlichkeit und sich gesegnet fühlen in jedem tag dann gibt es noch eine welt die welt in der sich die menschen von allen losgesagt haben, von gott von der familie von früheren freunden und nur noch trist in den tag hinein leben nicht an morgen und gestern denken oder an das was noch kommt die menschen die sich verflucht fühlen und aufgrund ihrer hohen emotionalität und ihrer anderen weltanschauung keinen anhang zu finden weder bei den christen noch bei den nichtchristen.
mich macht das auch alles sehr traurig zu sehen wieviel menschen das all das leid dieser welt täglöich vor der nase haben und einfach nur weg schauen dabei könnten soviel helfen egal ob mit geld oder einfach nur mit ihrem dasein und soviel davon die könnten tuns nicht. schau dir an wie man jakko hasste weil er was fürs leid getan hat durch seine songs udn wie wurde er deswegen verhasst? mich berührt das auch sehr tief wieviele leute einfach nur so durch die welt gehen und zulassne das der hass und das leid und die angst udn der schmerz immer größer werden. aber man kann einfach nicht wirklich was dagegen tun wenn man kaum möglichkeiten hat.

lieben gruß tinkerbell